Künstliche Intelligenz entwickelt sich im Underwriting von einem Technologie-Experiment zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor. Zu diesem Ergebnis kommt das neue gemeinsame Point of View-Paper des InsurTech Hub Munich (ITHM) und seines Unternehmenspartners Deloitte: „Einsatz von KI-Agenten im Underwriting von Versicherern“. Die Publikation ist Teil der seit Anfang 2024 bestehenden Wissenspartnerschaft, in der ITHM und Deloitte Status-quo-Analysen, Umfragen und Experteninterviews zur strategischen Integration von KI in der Versicherungsbranche durchführen.
Das aktuelle Paper zeigt, wie KI die gesamte Underwriting-Wertschöpfungskette verändert: Von der Risikoerfassung über die Risikobewertung und Tarifierung bis hin zum aktiven Portfoliomanagement. Angesichts steigender Datenmengen und einer wachsenden Komplexität der Risiken stoßen traditionelle manuelle Prozesse zunehmend an ihre Grenzen. Künstliche Intelligenz bietet Versicherern die Möglichkeit, Risiken präziser zu bewerten, Entscheidungen zu beschleunigen und Prozesse effizienter zu gestalten. Entscheidend für nachhaltigen Erfolg ist der geschlossene Regelkreis, bei dem Schadendaten kontinuierlich in das Retraining der Underwriting-Modelle zurückfließen.
Die Autoren machen jedoch deutlich, dass die erfolgreiche Einführung von KI weit über die Technologie hinausgeht. Datenqualität, KI-Governance, Mitarbeiterbefähigung und die Berücksichtigung regulatorischer Anforderungen wie dem EU AI Act oder BaFin-Vorgaben werden zu entscheidenden Erfolgsfaktoren. Ebenso müssen neue Risiken wie KI-Halluzinationen, Schatten-IT, Model Poisoning, Adversarial Attacks oder Datenlecks durch LLMs aktiv adressiert werden.
Besonders kritisch, so der Point of View, ist jedoch das Risiko des Nichtstuns. Versicherer, die den Aufbau von KI-Kompetenzen zu lange hinauszögern, laufen Gefahr, bei Risikoselektion, Portfoliosteuerung und Profitabilität gegenüber Wettbewerbern ins Hintertreffen zu geraten.
Download des Papers
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