Fokusthema KI im Vertrieb: Das war der ITHM Summer Summit 2026

Linke Seite: Läuft. Rechts: Luft nach oben. Immer wieder tauchte beim ITHM Summer Summit Ende Juni 2026 das Bild von den beiden Hirnhälften auf. Links Sprache, Logik, Analytik. Rechts Emotionen, Kreativität, räumliches Denken und tieferes Weltverständnis. Das eine beherrscht die KI schon verblüffend gut. Beim anderen weist sie deutliche Defizite auf. Noch. Wie lange noch?

Gut 150 Gäste begrüßte das ITHM Team in München, um gemeinsam über die Zukunft des Versicherungsvertriebs zu diskutieren. Um auszuloten, wo die KI Menschen besser, schneller, effizienter macht. Wie sich im Kleinen unsere Arbeit und im Großen unsere Unternehmen verändern. Wo Chatbots & Co. Grenzen haben und wann besser der Vermittler aus Fleisch und Blut übernimmt.

Prof. Dr. Niklas Kühl (Fraunhofer FIT Generative AI Lab / Universität Bayreuth) plädierte in seiner Keynote dafür, weder den Maschinenstürmern noch den AI-Anheizern blind zu folgen. Er argumentierte, das eigentliche Risiko des KI-Hypes sei „die schleichende Erosion der menschlichen Handlungs- und Urteilsfähigkeit“. Darauf zielte auch Lena Bartel (BSI) ab, sie bemüht das Bild von den beiden Hirnhälften: Erst wenn Menschen mit ihren emotionalen Fähigkeiten ins Spiel kommen, wird aus den von der KI vorbereiteten Vorschlägen ein erfolgreiches Kundengespräch. 

Den optimalen Mensch-Maschine-Match, erklärte Kay Buchheister (Salesforce) bekomme man hin, wenn man endlich „Betroffene zu Beteiligten“ mache. Sven Benner (Deutsche Vermögensberatung) pflichtete bei: „Die KI muss sich Vertrauen erst einmal verdienen – bei den Vermittlern wie bei den Kunden.“ Die Gründer Fabian Beringer und Kenneth Hillig setzen genau da an: Moonscale baut Avatare für den schnellen Kundenkontakt, Setero Technologies trainiert Vertriebler in KI-Rollenspielen.

Überhaupt: Die Kunden. „Wir müssen stärker auf die fokussieren, die die Party zahlen“, sagt Payam Rezvanian (Finanzchef24). Er ist überzeugt: „Ein schlechter Prozess wird auch mit KI kein guter Prozess“. Alexander Pohnert (Generali Deutschland AG) setzt auf „Erleben statt erklären“. Zusammen mit Maklern hat er ein Dialog-Tool entwickelt um Kunden in ihrer Lebensrealität abzuholen. „Hyper-personalisierte Kundenerfahrung“ nennt Stefan Zimmermann (Google) Vorstöße dieser Art und appelliert, nicht zu lange im PoC zu verharren. Ausprobieren, pivotieren, skalieren – ungefähr so kann man seine Empfehlung lesen.

Bleibt die Frage: Build or Buy? Dr. Josef Adersberger (QAware GmbH) glaubt nicht an ein sortenreines Entweder-Oder. Im Idealfall, so Claudia Jandl (NTT DATA), arbeite man mit agnostischen Plattformen, auf deren Basis man sowohl Eigenbauten als auch Zugekauftes errichten könne. Adersberger rät: Klug abwägen, an welchen Stellen Souveränität im Vordergrund steht – und wo maximale Effizienz.

ITHM-Geschäftsführer Dr. Joachim Ziegler fasste zusammen: Auf das Operating Model kommt es an. Darauf, JETZT die Chancen und Herausforderungen der KI in der Gesamtstrategie des Unternehmens zu verankern. Denn, so ITHM Vorstandsvorsitzender Dr. Klaus Driever: Der Siegeszug der KI sei mit einem Raketenstart zu vergleichen. Nach Verlassen der Rampe lege das Gefährt vergleichsweise langsam los, dann aber geht es mit Vollgas ins Weltall. „Bei der Entwicklung der KI befinden wir uns in den ersten zehn Sekunden nach Start – aber nicht mehr lange!“, gab Driever auf dem Summer Summit zu bedenken.